Zeichnung
Brigitte Bech
AFKU
"... Ich weiß wohl, daß selbst heutzutage - und aus verschiedenen Gründen - die Einmütigkeit noch weit davon entfernt ist seinen Namen zu umgeben. Sein fieberhafter Geist entschlüpft jedem Versuch ihn zu bestimmen. Er war auf keinen Fall ein völlig ruhiger Mensch. Wie sollte denn seine aus Gegensätzen bestehende Kunst keinen Anlaß zu Mißverständnissen geben? Er entzückt, wirkt zuweilen aber irritierend. Wenn er, argwöhnisch bis über den Tod hinaus, manchmal die Zuneigung entmutigt - ich meine damit die Zuneigung der Augen - geschieht das, weil ihn die Farbe, sein großes Ausdrucksmittel, verriet: so viele Blumen verloren schon zu seinen Lebzeiten ihre Frische und ihren Glanz. Auch die Sitten haben sich gewandelt. So viele Gesten sind zur Haltung geworden, so viele erzählte Geschichten sind in Gefahr altmodisch zu erscheinen. Welche Kleinigkeit aber ist dieses Altwerden, verglichen mit der Bestürzung, dem Zauber und der erfrischenden Begeisterung, die uns zeitlos Werke von erstaunlichem Reichtum und großer Mannigfaltigkeit schenken, deren Wirkung sich noch jenseits ihrer Grenzen ausbreitet, und die alle unsere Fähigkeiten ins Wanken bringen; die infolge ihrer unerschöpflichen Ausstrahlung viel weniger der Vergangenheit zu gehören scheinen, als der Gegenwart und Zukunft..."
aus: Delacroix und seine Welt, Die Skizzenbücher, von Claude Roger-Marx und Sabine Cotté aus der Reihe "Les Carnets de Dessins", 1970 Scrépel Paris
Brigitte Bech